VON INGO HODDICK
Duisburg (RP) Jugendliche aus den Partnerstädten Gaziantep (Türkei) und Vilnius (Litauen), aus Nimwegen (Nijmegen, Niederlande) und Duisburg führen viermal gemeinsam Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ auf.
44 Jugendliche aus Duisburgs Partnerstädten Gaziantep (Türkei) und Vilnius (Litauen), aus Nimwegen (Nijmegen, Niederlande) und aus Duisburg erleben derzeit eine kreative Partnerschaft in einem grenzüberschreitenden Theaterprojekt, eingebettet in ein kulturelles Rahmenprogramm mit Ausflügen, Konzert- und Theaterbesuchen und Stadterkundungen. Finanziert durch das EU-Programm „Jugend in Aktion“, führen sie in dieser Woche vier Mal William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ in Duisburg auf.
Die Jugendlichen haben das Stück seit Februar zu Hause einstudiert, in ihrer Sprache mit ihrer Sichtweise des Stückes, mit Unterstützung und Ideen ihrer jeweiligen Regisseure. Der Clou besteht darin, dass nun gemixt wird: die Gruppen, die Sprachen, die Kostüme, jeweils in vier verschiedenen Inszenierungen. „Ein Sommernachtstraum“ ist ja eine märchenhafte Komödie rund um das Thema Liebe, die jungen Leuten Spaß macht und außerdem so bekannt, dass das Stück vom Publikum auch in vier Sprachen sowie mit aussagekräftiger Mimik und Gestik verstanden werden kann.
Das ist Europa
„Es sollte ein ,neutraler’ großer Schriftsteller sein, und in alle vier Sprachen übersetzt“, erklärte der Duisburger Regisseur Kemal Demir gestern vor der Presse. Die Strichfassung der Dialoge wurde genau abgestimmt. Das pädagogische Konzept basiert auf langjährigen Erfahrungen des Duisburger Internationalen Jugend- und Kulturzentrum „Kiebitz“ e.V. mit interkultureller Jugendtheaterarbeit. Erstmals realisiert wurde es mit zweisprachigen Inszenierungen von Bertolt Brechts „Die Gewehre der Frau Carrar“, im vergangenen September in Gaziantep.
Wenn ein pfiffiger Holländer mit großen Ohren und eine zarte orientalische Schönheit in der klassischen Inszenierung eines türkischen Regisseurs eine verspielte Liebesszene hinlegen, wenn sich eine gemütliche Niederländerin und ein Duisburger Deutschrusse nahtlos in die typisch und herrlich skurril überzogene Inszenierung zweier Litauer einfügen – dann ist das einfach Europa. Davon konnten wir uns gestern bei einem Besuch der Proben überzeugen, deren Atmosphäre konstruktiv fröhlich wirkt.
Man mag sich in „Babylon“, und Sprachschwierigkeiten gibt es ohnehin kaum: Arbeits-Sprache ist Englisch, zumindest Kemal Demir und Müjgan Bayur vom „Kiebitz“ beherrschen mindestens zwei der vier Sprachen, und in der Duisburger Gruppe sind mehrere Jugendliche türkischer Abstammung.
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