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Weihnachtsmärkte

Veröffentlicht von Piper-Verlag on Dez 5th, 2008 und gespeichert unter Gelesen. Sie können Kommentare über die Artikel hier mitverfolgen: RSS 2.0. Beides, Kommentare und Pings sind derzeit nicht möglich.

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Wir können alles, sogar besser – Wo Deutschland wirklich gut ist

„Get into the Christmas spirit on a fantastic Christmas Market break to Germany. Choose from the Bonn or Cologne Christmas market tours, and shop until you drop, with sparkling stalls laden with scrumptious traditional delicacies, unusual presents, merry sounds & glittering decorations.”

(Aus dem Angebot eines englischen Reisebüros)

Deutsche Weihnachtsmärkte sind eine weltweite Touristenattraktion; in England bieten Dutzende von Reisebüros jeden Winter Paketreisen zu deutschen Weihnachtsmärkten an. Für 449 Pfund pro Person kann man z. B. bei der Firma
„Archers Direct“ aus Bromley, Kent „a six day tour of Bavaria” erstehen, “which takes in the christmas markets in Dinkelsburg, Rothenburg, Nuremberg and Cologne [?]“.

Anfangs waren die Weihnachtsmärkte ganz gewöhnliche Märkte für Güter des täglichen Bedarfs; mit Weihnachten hatten sie nur das Datum gemein.

Erstmals und noch vereinzelt sind sie seit dem 14. Jahrhundert belegt, in Frankfurt am Main etwa seit 1393, in Dresden (Striezelmarkt) seit 1434. Insbesondere war es anfangs unüblich, auf diesen Märkten Weihnachtsgeschenke einzukaufen.

Der Brauch, an Weihnachten Geschenke auszutauschen, wurde wohl erst von Martin Luther eingeführt; im Jahr 1545 ließ er seine Kinder, die bis dato vom Heiligen Nikolaus beschenkt worden waren, erstmals vom Christkind bescheren. Wenig später wurde auch aus Nürnberg berichtet, dass reiche Patrizier, die sich zuvor an Neujahr zu beschenken pflegten, ebenfalls auf Weihnachten umgestiegen waren (und zwar so konsequent, dass sich der Rat der Stadt am 22. Dezember des Jahres 1610 genötigt sah, eine Sendung unzüchtiger Scherzartikel zu beschlagnahmen, die ein Drechsler zum „Kindleinsbescheren“ angeboten hatte).

image So wurden aus den gewöhnlichen Adventsmärkten für den täglichen Bedarf die modernen Glühwein-, Bratwurst-, Geschenk- und Krempelmärkte, die wir heute kennen. Am Heiligen Abend des Jahres 1616 musste der Pfarrer der St. Sebaldskirche in Nürnberg die Vesper- und Nachmittagspredigt ausfallen lassen, weil „wegen Einkaufens zum Kindleinsbeschenken keine Leut vorhanden gwest.“

Ökonomen würden sagen: Da wurde eine Marktlücke entdeckt. 200 Jahre später erinnert sich Goethe an den Weihnachtsmarkt in der Stadt, in der er geboren wurde. „Auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt werden gewiss solche Kästchen zu haben seyn, worin manche Geräthschaften zu Taschenspieler-Künsten mit Anweisung zum Gebrauch beysammen sind,“ schreibt er im November 1830 an Marianne von Willemer. „Nun wünschte ein solches, und zwar wie es einem Anfänger, einem Knaben von Jahren genügen könnte, wohlgepackt, baldigst durch die fahrende Post, mit beygelegter, alsogleich zu bezahlender Rechnung zu erhalten.“

Heute finden in Deutschland jährlich über 2500 Weihnachtsmärkte mit 160 Millionen Besuchern statt. Damit besucht jeder Deutsche im Durchschnitt zweimal jährlich einen Weihnachtsmarkt (in Wahrheit etwas weniger, denn von
den 160 Millionen Besuchern kommen mehrere Millionen aus dem Ausland).

Der wohl bekannteste, wenn auch nicht der älteste und größte, ist der Christkindlesmarkt in Nürnberg. Eine erste Erwähnung findet sich in einer alten Spanschachtel aus dem Germanischen Nationalmuseum, auf deren Boden folgende Inschrift zu lesen ist: „Regina Susanna Harßdörfferin von der Jungfrau Susann Eleonora Erbsin zum Kindlesmarck überschickt 1628.“

Also muss in dieser Zeit schon ein „Kindlesmarck“ stattgefunden haben. Nach einer wechselvollen Geschichte wird erstmals im Jahr 1973 die Marke von einer Million Besuchern überschritten, heute zieht es in der Adventszeit über zwei
Millionen Menschen, davon immer mehr auch aus dem Ausland, auf den Hauptmarkt in der historischen Altstadt, die sich diese Spektakel nicht entgehen lassen wollen.

Älter als der Nürnberger Christkindlesmarkt ist etwa der Weihnachtsmarkt in Frankfurt.

Mit seinen über 300 Marktständen noch größer ist der Weihnachtsmarkt in Dortmund, wo auch einer der größten Weihnachtsbäume der Welt zu sehen ist (ein aus über 1000 einzelnen Fichten konstruiertes, fast 50 Meter hohes Baumkunstwerk), und am schönsten von allen ist der Weihnachtsmarkt in Dresden; er kam bei einer kürzlichen Umfrage der Fachhochschule Südwestfalen auf den ersten Platz.

„Kunsthandwerk wie Holzspielzeug aus dem Erzgebirge, Keramik aus der Lausitz und Pulnitzer Lebkuchen binden auch Spezialitäten aus der Region ein, das wirkt stimmig und wird von den Besuchern geschätzt. Zudem gefällt das Ambiente am barockbebauten Altmarkt. In der Kreuzkirche singen Chorknaben, auf der nahe gelegenen Elbe gleiten Schiffe der Sächsischen Dampfschifffahrt zu Lichterfahren vorüber. Und in Sichtweite steht die Frauenkirche“ (Roland Mischk in der „Welt“).

Bei den kleinen und mittleren Städten gewann Michelstadt im Odenwald: „Es hat die richtige Lichterglanzatmosphäre,
zuvorkommende Händler und passende Angebote für Groß und Klein.“

Jeden Nachmittag im Advent wird ein Adventskalenderfenster geöffnet und aus Jostein Gaarders Buch „Das Weihnachtsgeheimnis“ vorgelesen.

Dazu werden heiße Getränke und Plätzchen verteilt, und am 6. Dezember können Kinder in allen Fachgeschäften rund um den Weihnachtsmarkt ihre Stiefel abgeben.

Die bringt dann der Nikolaus gefüllt zurück.

Weitere bekannte Weihnachtsmärkte gibt es in Österreich, in der Schweiz, in Südtirol oder im Elsass. In Straßburg etwa kennt man den Weihnachtsmarkt seit 1570. Wichtig scheint zu sein, dass auf Weihnachtsmärkten Deutsch gesprochen wird.

Falls überhaupt, finden sie etwa in England oder in den USA als „German Christmas Markets“ statt, die Stadt Frankfurt etwa richtet in ihrer Partnerstadt Birmingham seit einigen Jahren den „Frankfurt Christmas Market“ aus.

 

Quelle: aus dem neuen Buch “Wir können alles, sogar besser – Wo Deutschland wirklich gut ist” von Prof. Dr. Walter Krämer (Piper-Verlag, ISBN 978-3-492-05187-3)

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