Nicht nur Österreich wäre von einem Zusammenbruch Osteuropas betroffen. Auch Deutschland und die Schweiz sind mit hohem Investitionskapital vertreten. Obwohl die Nachrichten über den Osten, die in den letzten Tagen eintrafen, wahre Horrormeldungen sind, meint der Erste-Chef Treichl, dass keine österreichische Bank daran bankrott gehen wird. Diese Aussage lässt mir keine Ruhe und ich weiss nicht, ob der Erste-CEO nur so blauäugig-naiv ist, uns alle bewusst belügt oder daran glaubt, dass der Staat mit den Garantieversprechungen einspringen wird. Nur ich bin überzeugt, dass hierfür das 100 Milliardenpaket zu klein sein wird.
Denn eines muss man neben wahrscheinlichen Kreditausfällen zusätzlich in Betracht ziehen: das Währungsrisiko. Die Banken sind zum grossen Teil mit Euro-Kapital ausgestattet. Die Kredite werden in der Regel in Landeswährung vergeben und ebenfalls so zurück bezahlt. Doch diese befinden sich derzeit im freien Fall. Das heisst, dass – in Relation zum Eurowechselkurs – in jedem Fall viel, viel weniger an Kapital zurück fliesst, als ausgegeben wurde! Hier entstehen zusätzliche Milliardenverluste zu den Kreditausfällen. Kreditausfälle sind all jene Kreditnehmer, die nicht mehr zahlen können, weder Kapital- noch Zinsrückzahlungen.
Sollte sich der jetzige Trend bestätigen, so werden in wenigen Wochen einige Oststaaten bankrott sein und ihre Landeswährung nichts mehr wert. Das heisst auch, keine Importe mehr, weil diese zu teuer sind und enorm viele Unternehmenspleiten. Viele Unternehmen sind relativ jung und verfügen über eine geringe Eigenkapitaldecke.Wenn die österreichischen Banken mit 5 bis 10% Kreditausfällen rechnen, dann ist meine Meinung, dass die Lage nicht richtig eingeschätzt wird. Mittelfristig, das heisst, noch im heurigen Jahr, werden es wohl zwischen 20 und 30 Prozent sein, die die Kredite nicht mehr bedienen können. Denn Kredite wurden nicht nur an Unternehmen gewährt, sondern auch an Private.
Nehmen wir die rund 300 Milliarden Kreditkapital im Osten für eine kleine Rechnung her. Bei Ausfällen zwischen 5 und 10% liegen die Verluste zwischen 15 und 30 Milliarden Euro, bei Ausfällen zwischen 20 und 30% liegen die Verluste zwischen 60 und 90 Milliarden. Dazu muss man jeweils auch den Währunsverlust rechnen, der je nach Wechselkurs doch auch eine zweistellige Milliardensumme erreichen kann.
Die EU ziert sich derzeit, dem Osten Euro-Hilfe zu gewähren. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Ich denke, sie wird helfen müssen! Allerdings wird auch diese Hilfe nur kurzzeitige Entspannung bringen. Vielleicht hat Treichl insofern recht, dass damit die Westbanken im Osten Hilfe durch die EU bekommen werden und somit keine österreichische Bank pleite geht. Aber ich glaube nicht daran!
Auf jeden Fall wurden von Rumänien schon ein Hilfeansuchen an den IWF gestellt. Polen und Tschechien wollen möglichst rasch in den Euro-Verbund und aus einem EU-Topf für Staatshaushaltshilfen sind schon die ersten Milliarden geflossen. Eine Pauschallösung für den Osten wird nicht in Erwägung gezogen, die jeweiligen Problemfälle werden individuell behandelt.
Allerdings wird EU-weit zuerst auf die Euroländer geschaut, derer einige doch auch bald Milliardenhilfe benötigen werden. Was wird für den Osten übrig bleiben?
Nächstes Problem werden die Staatsanleihen werden. Teilweise gehen die Spreads enorm auseinander, das heisst, vergrössert sich der Spread, dann steigen auch die Zinsen, die bezahlt werden müssen. Und wer hat noch Vertrauen in Staatsanleihen, die möglicherweise bald wertlos sind? Ohne neue Anleihen an den Mann zu bringen, können alte Forderungen nicht mehr bedient werden. Der Anleihenmarkt bricht zusammen …
Die Abwärtsspirale dreht sich immer schneller. Bald werden die ersten Staaten, darunter mit Sicherheit europäische, wahrscheinlich auch EU-Staaten, bankrott sein, das heisst zahlungsunfähig! Die EU und der IWF werden Feuerwehr spielen müssen, doch man muss sich ernsthaft fragen, wie kann ein teil-eurpäischer Bailout finanziert werden? Die Liste der akut gefährdeten Staaten ist lang: Italien, Griechenland, Spanien, Portugal, England, Irland, Dänemark, Ukraine, Rumänien, Bulgarien, Serbien, … to big to save! Wen lässt man als erster den Bach runter …
So möglicherweise Österreich jetzt noch gut da steht (wir führen eben das milliardenschwere Service des Gratiskindergartens ein und denken über Steuerreformen zur Entlastung aller nach), dann spätestens nicht mehr. Deswegen sind wir auch auf der roten Liste der bankrottgefährdeten Staaten. Trotz Treichl, der meint, in Österreich geht keine Bank wegen der Ostkrise pleite. Ich wette jedenfalls ein Glas Bier dagegen. Wir werden es bald wissen!
Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)
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