Dass die Ägypter der Mathematik, der Geometrie und der Astronomie mächtig waren, ist bekannt. Bauwerke wie z.B. die Pyramiden waren in einer bestimmten Weise angeordnet. Dabei spielten die Sterne und im Besonderen der Polarstern eine wichtige Rolle. Dieser Polarstern, auch Nordstern genannt, steht als einzigster Stern immer Richtung Nordpol. Der Höhenwinkel ist zwar jeden Tag immer etwas anders, aber dennoch ist dieser Stern auf der Nordhalbkugel ein verlässlicher Punkt welcher immer Norden anzeigt. Kein Wunder also, dass er sogar mystisch und auch religiös einen sehr hohen Stellenwert eingenommen hat.
Bitte gehen Sie einmal einen Gedankengang weiter. Die Himmelsrichtung „Nord“ ist also die wichtigste in der ägyptischen Gesellschaft. Und tatsächlich lassen sich Beziehungen mit Völkern welche in dieser Himmelsrichtung lagen -d.h. in Europa mit Kelten, Balten und Germanen- nachweisen. Neben der Himmelsscheibe von Nebra, welche hier nur kurz Erwähnung findet, ist der Bernsteinhandel zu nennen. Bernstein aus dem baltischen Kulturraum -gehandelt von Letten, Litauern und Prußen- ist seit dem 18. Jh.v.Chr. nachweislich in Griechenland und Ägypten vertreten und verehrt.
Die Christianisierung der Germanen, dem Nachbarn der Balten, ist hier desweiteren anzuführen. Dieses Zeitalter liegt in den ersten fünf nach-christlichen Jahrhunderten; da gab es das alte Ägypten schon nicht mehr. Aber Ägypten war zu jener Zeit aber auch noch nicht arabisiert oder islamisiert, daher kann man diese Zeitspanne als spät-ägyptisch bezeichnen. Die Schlussfolgerung wäre, dass diese Beziehungen zwischen Ägypten und Europa schon immer bestanden. Eine Beziehung in beide Richtungen.
Nun wird auf die Christianisierung Europas näher eingegangen. An der ägyptischen Mittelmeerküste, in Alexandria, existierte die erste Bibliothek und Universität der Welt. In jener spät-ägyptischen Zeit, bis zum 6. Jh.n.Chr., war das Griechische sowie das Latein Weltsprachen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Bibel, neben ihren hebräischen Urschriften, in Alexandria zuerst ins Griechische und dann ins Latein übersetzt wurde. Einige Teile der Bibel kamen gar nicht aus dem Hebräischen, sondern wurden gleich im Griechischen verfasst. Man kann erkennen, dass mit zwei Schriften der Bibel auch zwei Machtbereiche bedient wurden; auf der einen Seite das Weströmische Reich, mit dem Latein als Schrift und Sprache, mit Rom als Zentrum (Römisch-Katholische Kirche) und auf der anderen Seite das Oströmische Reich mit dem Griechischen als Schrift und Sprache, mit Konstantinopel, Alexandria und Antiochia als Zentren (Orthodoxe Kirche).
Damit nicht genug. Durch die Machtpolitik der Römisch-Katholischen Kirche seit dem 6. Jh.n.Chr., mit den Franken im Mittelpunkt, sind weite Teile Europas für 12 Jahrhunderte ins dunkele Mittelalter gestürtzt worden. Die Tatsache ist uns heutzutage nicht mehr bewusst oder wird bewusst verschwiegen, dass die Bibel in Alexandria auch ins Germanische -d.h. ins Gotische- übersetzt wurde, wodurch fast alle germanischen Stämme sogar schon im 3. Jh.n.Chr. christianisiert wurden.
Also, im Prinzip ist Europa von Ägypten aus christianisiert worden. Im orthodoxen Machtbereich gab es aber eine Hand voll voneinander mehr-oder-weniger abweichende christliche Anschauungen. Zu erwähnen sind hier aber drei: Die traditionell Orthodoxe (vor allem Griechisch), die Arianische (vor allem Germanisch) und die Nestorianische (vor allem Syrisch).
Die so genannte Arianische Kirche -auf die hier näher eingegangen wird- ist zurückzuführen auf Arian, der im 2. Jh.n.Chr. in Syrien lebte. Das Gedankengut und die Überlieferungen wurden nach seinem Tod in Alexandria zusammengefasst und gelehrt. Selbst in Konstantinopel bildeten sich daraufhin arianisch-orthodoxe Gemeinden. Wulfila, König der Goten, welcher eine griechische Mutter hatte, hielt sich verständlicher Weise oft in Kleinasien und in Konstantinopel auf und bekannte sich zum arianischen Glauben. König Wulfila, zusammen mit Missionaren aus Alexandria, brachte die germanische (gotische) Übersetzung der Bibel nach Gotland, welches damals von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte. Daraufhin haben alle Goten und darüberhinaus fast alle anderen germanischen Stämme den arianischen Glauben übernommen. Würzburg, mit dem Stamm der Franken im Mittelpunkt, war in jenen Tagen der wichtigste Ort des Arianertums im germanischen Raum. Bis die römisch-katholische Kirche im 6. Jh.n.Chr. die Franken, aus machtpolitischen Gründen, zum römisch-katholischen Glauben „bekehren“ konnte.
Dieses löste eine Kettenreaktion aus. Die Franken konnten daraufhin, mit Hilfe der römisch-katholischen Kirche, mit der Ausdehnung des Frankenreiches einen fast europaweiten Machtbereich schaffen und brachten direkt oder indirekt schon vergessene Formen der Unmenschlichkeit, wie z.B. die Sklaverei und das Unterdrücken oder gar Auslöschen der wissenschaftlichen und kulturellen Entwicklung, zurück. Erst das schrittweise Auftreten einer aufklärerischen Gegenbewegung ist es zu verdanken, dass diese Schrecken erst Anfang des 19. Jh.n.Ch. wieder abgeschafft wurden. Bezüglich der aufklärerischen Gegenbewegung können der Deitismus und das Protestantentum genannt werden.
Die Arianer existieren heute schon lange nicht mehr. Aber Fragmente jener Tage existieren weiterhin in europäischen Kulturen, sei es in Traditionen oder sogar in einem Medium, welches uns sehr vertraut ist: Das Schriftsystem, welches letztenendes aus Ägypten stammt. Heutzutage ist uns nicht mehr bewusst, dass eine internationale gegenseitige Beeinflussung schon immer existierte. Heute gibt es die europäischen Staaten, welche bewusst und teils unbewusst gerade wegen ihrer internationalen Wurzeln immer weiter zu einem Europa zusammenwachsen werden. Dazu gehört sicherlich auch der Mittelmeerraum.
-dig-








