Kęstutis Girnius geht im Nachrichtenportal Delfi der Frage nach, ob man den Zeitraum von 1944 bis 1990 in Litauen als “Sowjetzeit” oder als “Besatzung” bezeichnen solle:
“Die Wortwahl ist alles andere als eine Kleinigkeit. Nicht ohne Grund wird die Formulierung Moskaus zurückgewiesen, Litauen habe sich 1940 der ‘Räteunion’ angeschlossen [Anm. d. Red.: 'Rat' übersetzte man früher in Litauen mit 'Taryba', nicht mit 'Sowjet'].
Die Kontroverse geht gerade um den Begriff ‘Räte-’, denn Litauen wurde von der Sowjetunion annektiert, nicht von ‘Räten’, und der russische Ausdruck betont die Tatsache der ausländischen Besatzung stärker.
… Wie aber wird jemand auf die Frage seines Enkels antworten: ‘Opa, was hast du während der Besatzungszeit gemacht?’ Er wird sich gewiss nicht damit brüsten, dass er Parteisekretär, Aktivist, Komsomol-Führer oder Regierungsanhänger war oder Karriere gemacht hat. Denn wie soll man seinen Erfolg rechtfertigen, wenn dieser von der Laune von Besatzern abhing? ‘Sowjetzeit’ wäre zwar ein Kompromiss, weil es auf den Begriff ‘Räte-’ verzichtet, aber ‘Besatzung’ wäre besser, weil dadurch die Aufarbeitung der Vergangenheit mit ihrer Kollaboration, Unterdrückung und Ungerechtigkeit erleichtert würde.”
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