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Lettlands Premier: “Ein Drittel Gehaltsverlust ist Norm”

Veröffentlicht von Online-Redaktion on Nov 3rd, 2009 und gespeichert unter Lettland. Sie können Kommentare über die Artikel hier mitverfolgen: RSS 2.0. Beides, Kommentare und Pings sind derzeit nicht möglich.

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Die internationalen Kreditgeber stellen äußerst harte Bedingungen, sagt der lettische Premier Valdis Dombrovskis im STANDARD-Interview.

András Szigetvari erzählte er in Riga, wie sich ein Land regieren lässt, das von ausländischen Gläubigern abhängig ist.

STANDARD: Um dem Bankrott zu entgehen, musste Lettland einen Milliardenkredit bei EU und Währungsfonds (IWF) aufnehmen. Im Gegenzug verpflichtete sich Ihre Regierung zu sparen. Wo wird gekürzt?

Dombrovskis: Derzeit sind Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Lats (712 Mio. Euro, Anm.) geplant, 320 Millionen wollen wir durch Ausgabenkürzungen einsparen, den Rest durch Steuererhöhungen. Aufgrund der Größe des Sparprogrammes werden alle Sektoren getroffen. Bisher haben wir die Löhne gekürzt, manchmal um bis zu 40 Prozent. Wir haben die Pensionen um zehn Prozent gestrichen und unser Investmentprogramm zurückgefahren. Wir haben 12.000 Staatsbedienstete entlassen, reformieren Bildungs- und Gesundheitswesen. Allein in diesem Jahr wurden 100 Schulen geschlossen oder reorganisiert. Die Zahl der Spitäler geht von 59 auf 24 zurück.

STANDARD: Wo ist die Grenze, fürchten Sie soziale Unruhen?

Dombrovskis: Wir müssen eine genaue Balance zwischen den Anforderungen der internationalen Geldgeber nach Einsparungen und dem Bedürfnis, die soziale Stabilität einzuhalten, finden. Unsere Politik verfolgt daher mehrere Richtungen: Wir wollen das Budget sanieren. Zugleich versuchen wir aber das soziale Netzwerk zu stärken und die ärmste Schicht der Bevölkerung zu stützen. Weil bei vielen Menschen bald das Arbeitslosengeld auslaufen wird, versuchen wir, ein garantiertes Mindesteinkommen einzuführen.

STANDARD: Sie sparen massiv bei Schulen. Lehrer verlieren ein Drittel Ihres Gehalts. Warum streichen Sie gerade bei der Bildung, einer Investition in die Zukunft?

Dombrovskis: Wie gesagt: Von unseren Sparmaßnahmen sind alle Sektoren betroffen. Ein Drittel seines Gehaltes zu verlieren ist in Lettland derzeit eher die Norm als die Ausnahme. Es gibt Bedienstete, die haben weit mehr verloren.

STANDARD: Aber auch Ihnen gingen die Einsparungen von 500 Millionen zu weit. Sie haben vergeblich versucht, mit der EU und dem IWFeinen Kompromiss auszuhandeln. Sind die Geldgeber zu streng?

Dombrovskis: Die Bedingungen sind sehr hart. Wobei wir in jedem Fall eine Konsolidierung hätten durchführen müssen, im Kern geht es also nur um die richtige Strategie und die richtige Taktik: Wie weit gehen wir, wie schnell gehen wir vor? Mit den geplanten Kürzungen von 500 Millionen Lats für das Jahr 2010 werden wir mit den Einsparungen sogar vor den ursprünglich festgelegten Zielen liegen.

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