US-Präsident Barack Obama hat in einer Rede am Dienstagabend angekündigt, die US-Truppen in Afghanistan um 30.000 Soldaten aufzustocken. Die Verbündeten forderte er ebenfalls auf, mehr Militär zu entsenden. Bei Europas Kommentatoren ruft die neue US-Strategie nicht nur positive Reaktionen hervor.
L’Est Républicain – Frankreich
Mit seiner neuen Strategie setzt US-Präsident Barack Obama in Afghanistan alles auf eine Karte, schreibt die Tageszeitung L’Est Républicain:
“Ein Ticket nach Kabul, aber mit einem Rückfahrschein in der Hosentasche: Das ist es, was Barack Obama diese Nacht den 30.000 Soldaten versprochen hat, die er zur Verstärkung nach Afghanistan schickt. Noch muss man mehr Mittler in der afghanischen Bevölkerung finden, man muss mehr Polizisten ausbilden und vor Ort genügend Soldaten anwerben, die das Schicksal des ehemaligen Königreichs der Adler in die Hand nehmen. Zudem müssen die Städte gesichert werden, damit sie sich der Offensive der Fundamentalisten widersetzen können. Und die Amerikaner müssen außerdem an der Grenze zu Pakistan die letzten Verstecke von al-Qaida ausradieren. Die Aufgabe ist immens und teuer. Daher der andere Aspekt des Obama-Plans: der Wunsch, die Last mit seinen zögerlichen Verbündeten zu teilen.” (02.12.2009)
Frankfurter Allgemeine Zeitung – Deutschland
US-Präsident Barack Obama braucht unbedingt einen Erfolg in Afghanistan, schreibt die Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung:
“Denn mit der Truppenverstärkung … hat Obama den Erfolg seiner Präsidentschaft an den Lauf der Dinge in Afghanistan und im Nachbarland Pakistan geknüpft. Der Krieg, den zu führen er im Wahlkampf notwendig nannte, ist jetzt vollends ‘sein’ Krieg geworden; er wird eines der zwei oder drei großen Themen sein, welche die amerikanische Politik in den kommenden Jahren beherrschen werden. … Dafür, dass die Strategie des Präsidenten aufgeht, gibt es keine Garantie. Aber die Amerikaner haben jetzt wenigstens aus seinem Munde gehört, warum sie selbst nach acht Jahren die Sache nicht verloren geben sollten.
… Zwangsläufig hat die jetzt angeordnete Truppenverstärkung Konsequenzen, zuweilen schlimme. Aber fatale Konsequenzen hätten ein überhasteter Abzug und möglicherweise schon der Status quo.” (02.12.2009)
De Volkskrant – Niederlande
Enttäuscht zeigt sich Kolumnist Bert Wagendorp in der linksliberalen Tageszeitung De Volkskrant von den US-Plänen, mehr Soldaten an den Hindukusch zu schicken:
“Es bleibt doch bemerkenswert, dass der Gewinner des Friedensnobelpreises sich nichts anderes ausdenken kann, als noch mehr Truppen in einen Krieg zu schicken, der auch im eigenen Land von immer mehr Menschen als hoffnungslos angesehen wird. Und der immer mehr Erinnerungen an den Sumpf von Vietnam hervorruft.
… Es ist schade, dass Obama sich für ein aussichtsloses Szenario entschieden hat – mein Bauernverstand sagt mir, dass die 100 Milliarden [Dollar] strategisch viel klüger im Kampf gegen den internationalen Terrorismus einzusetzen sind.” (02.12.2009)
Corriere del Ticino – Schweiz
Die Entsendung weiterer Soldaten nach Afghanistan soll nur die zweite Amtszeit von US-Präsident Barack Obama sichern, kritisiert die liberal-konservative Tageszeitung Corriere del Ticino:
“Die strategische Grenze der Truppenaufstockung von Obama ist mit einem festen Termin für das Ende des Kriegseinsatzes vor Januar 2013 [dem Ende seiner Amtszeit] verbunden.
… Eine Festlegung, die bestätigt, dass die Aufstockung in Wahrheit die Vorstufe einer ‘Exit Strategy’ ist – ein Begriff, den die Taliban mit Rückzug übersetzen. Es wird sicher nicht zur Motivation der Alliierten noch zu der der Afghanen beitragen, wenn sie mit einem Auge auf das Datum des Abzugs schielen statt für den Sieg zu kämpfen. Es wird aber wohl die Dschihadisten dazu bewegen, bis zum Abzug der Amerikaner durchzuhalten, statt sich zu ergeben oder über den Frieden zu verhandeln. Die Strategie von Obama scheint sich also begrenzte Ziele mit Fristen zu setzten, die eher auf das Erreichen eines zweiten Präsidentschaftsmandats ausgerichtet sind als auf den militärischen Erfolg in Afghanistan.” (02.12.2009)
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