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Presseschau: USA führen Hilfe in Haiti an

Veröffentlicht von eurotopics on Jan 19th, 2010 und gespeichert unter Presseschau. Sie können Kommentare über die Artikel hier mitverfolgen: RSS 2.0. Beides, Kommentare und Pings sind derzeit nicht möglich.

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Die EU hat am Montag beschlossen, Haiti nach dem Erdbeben mit mehr als 420 Millionen Euro zu helfen. Dennoch führen die USA auch bei dieser humanitären Katastrophe wieder die Welt an, sehr zum Schaden der Uno, meint die europäische Presse.

Diário de Notícias – Portugal

Die Führungsrolle der USA bleibt unbestritten, solange sie es sind, die sich bei Katastrophen oder Kriegen am meisten einsetzen, meint die Tageszeitung Diário de Notícias:

“Angesichts der enormen Tragödie in Haiti ist die weltweite Mobilisierung, um dem Land zu helfen, nicht erstaunlich.

… Aber was erstaunlich ist und uns nachdenken lässt: Es sind wieder die USA, die an der Spitze der humanitären und finanziellen Hilfe stehen und alle Missionen im Land organisieren. … Alle haben Hilfe geleistet, aber keiner ein Projekt erdacht wie die US-Amerikaner, die sogar einen Marshall-Plan in Betracht ziehen, um Haiti wieder aufzubauen. Europa ist zwar mobilisiert, wird jedoch erst diese Woche die Höhe der finanziellen Unterstützung entscheiden. Man kann argumentieren, dass Haiti der ‘Hinterhof der Amerikaner’ ist, und daher ihre Haltung und Sorgen normal sind. Doch solange es die US-Amerikaner sind, die bei solch großen Tragödien oder bei Konflikten besonders beherzt eingreifen, kann niemand bestreiten, dass sie das Entscheidungszentrum der Welt sind. Sie haben sich diese Position ehrlich verdient. Haiti ist nur der letzte Beweis dafür.” (18.01.2010)

El Mundo – Spanien

Die Vereinten Nationen haben es nach dem Erdbeben von Haiti versäumt, ihre Aufgaben wahrzunehmen, meint die konservative Tageszeitung El Mundo:

“Deshalb müsste man eher Erklärungen von Ban Ki Moon verlangen als von Washington. Das Wichtigste nach der Katastrophe wäre gewesen, die Hilfe effizient zu organisieren, was die Uno versäumt hat. Die Abwesenheit eines internationalen Schiedsrichters hat dazu geführt, dass Washington eine Führungsrolle eingenommen hat, die vor allem Paris verärgert, welches seinen Einfluss in der Ex-Kolonie nicht einbüßen möchte. Zudem ist es das zweite Mal innerhalb eines Monats, dass die Uno von einem großen Ereignis überfordert ist. Das erste Mal war Mitte Dezember beim Klimagipfel in Kopenhagen, bei dem die USA und China hinter dem Rücken der internationalen Staatengemeinschaft ein Abkommen geschlossen haben. Es häufen sich die Stimmen, die … eine Reform der Uno fordern, wenn nicht sogar ihren Ersatz durch eine neue Organisation.” (19.01.2010)

NRC Handelsblad – Niederlande

Nach dem Erdbeben drohen Haiti Plünderungen und Anarchie. Das Land wird von struktureller Gewalt beherrscht, meint die Tageszeitung NRC Handelsblad:

“In zwei Jahrhunderten erlebte Haiti beinahe 200 Staatsstreiche, dazu eine Reihe blutdürstiger Diktatoren wie ‘Papa Doc’ und sein Sohn ‘Baby Doc’, die zwischen 1957 und 1986 wüten konnten. Auch, weil die Außenwelt geopolitische Prioritäten verfolgte, als der Kalte Krieg über Kuba die Karibik erreicht hatte. Politik ist auf Haiti immer ein anderes Wort gewesen für mörderische Selbstbereicherung. Anders ausgedrückt: Auf Haiti ist alles getan worden, damit der Mensch schlecht wird oder bleibt. Das traurige Menschenbild scheint nun zwischen den Trümmern wieder einmal Wahrheit zu werden.

… Wenn später deutlich wird, dass das Erdbeben außer der Infrastruktur auch die miserable politische Kultur verwüstet hat, dann hat Haiti mit ausländischer Hilfe doch noch eine Chance.” (19.01.2010)

Lidové noviny – Tschechien

Die Bevölkerung Tschechiens hat nach Solidaritätsaufrufen mehrere Millionen Kronen für die vom Erdbeben geschundenen Menschen auf Haiti gespendet. Die Regierung in Prag hingegen entsandte nicht einmal ein paar geschulte Helfer in die Krisenregion, moniert die konservative Tageszeitung Lidové Noviny:

“Bei einer Katastrophe wie der auf Haiti zählt schnelle Hilfe, die womöglich Leben retten kann. Tschechien verfügt wegen seines geringen ökonomischen Gewichts nicht über große Finanzmittel oder Soldaten, die Haiti wiederaufbauen könnten. Es kann nicht hundert Millionen Dollar spenden wie die USA. Es kann aber Leute schicken, die etwas von ihrem Fach verstehen, zum Beispiel Retter mit Suchhunden. Warum hat man die nicht geschickt? Warum geht das in Spanien, Belgien, Polen und Israel?” (19.01.2010) | eurotopics

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