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„Nichts ist gut in Afghanistan“ – Eine Bischöfin mischt sich ein

Veröffentlicht von Andrea Fiedler-Boldt on Jan 22nd, 2010 und gespeichert unter Deutschland, Gesellschaft. Sie können Kommentare über die Artikel hier mitverfolgen: RSS 2.0. Sie können einen Kommentar oder einen Trackback zu diesem Artikel erstellen

Bischöfin Margot Käßmann in der evangelischen Dreifaltigkeitskirche in Warschau/PolenDrei Wochen ist es nun her, dass Margot Käßmann in ihrer Neujahrspredigt Kritik am Afghanistan-Einsatz übte und ein möglichst rasches Ende des Bundeswehreinsatzes forderte. Die Debatte über die Worte der Bischöfin hält noch immer an.

Die einen werfen ihr Naivität und Ahnungslosigkeit vor, die anderen verbieten sich jede Einmischung der Kirche in politische Angelegenheiten. Die deutlichen Worte der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, haben statt der geforderten neuen Diskussion über den Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch eine scharfe Debatte um die Äußerungen der Bischöfin entfacht.

Ein Auszug aus der Predigt Käßmanns:

“Nichts ist gut in Afghanistan. All diese Strategien, sie haben uns lange darüber hinweggetäuscht, dass Soldaten nun einmal Waffen benutzen und eben auch Zivilisten getötet werden. Das wissen die Menschen in Dresden besonders gut! Wir brauchen Menschen, die nicht erschrecken vor der Logik des Krieges, sondern ein klares Friedenszeugnis in der Welt abgeben, gegen Gewalt und Krieg aufbegehren und sagen: Die Hoffnung auf Gottes Zukunft gibt mir schon hier und jetzt den Mut von Alternativen zu reden und mich dafür einzusetzen. Manche finden das naiv. Ein Bundeswehroffizier schrieb mir, etwas zynisch, ich meinte wohl, ich könnte mit weiblichem Charme Taliban vom Frieden überzeugen. Ich bin nicht naiv. Aber Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan. Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen. Das kann manchmal mehr bewirken als alles abgeklärte Einstimmen in den vermeintlich so pragmatischen Ruf zu den Waffen.”

Hartwig von Schubert, der evangelische Militärdekan des Bundeswehrstützpunktes Masar-i-Scharif, rügte Käßmann für ihre Kritik am Afghanistan-Einsatz. Mehrere Soldaten, darunter „engagierte evangelische Christen“, fühlten sich persönlich verletzt durch die Kritik Käßmanns. Auch der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) kritisierte die Bischöfin scharf, warf ihr gar vor, „weltfremd“ zu sein und politische Zusammenhänge außer Acht zu lassen, wenn sie den schnellen Abzug der Truppen fordere.

Bundespräsident Horst Köhler hingegen begrüßte die klaren Worte Käßmanns und nannte die Diskussion um den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr überfällig. Unterstützung erhielt Käßmann auch von Katrin Göring-Eckardt. Die Grünen-Politikerin, die das Amt des Präses der EKD-Synode bekleidet, hält es für richtig, dass die EKD-Vorsitzende sich zu politischen Themen äußert. Sie hält jedoch die militärische Absicherung eines zivilen Engagements in Afghanistan derzeit für notwendig.

Margot Käßmann selbst zeigte sich überrascht von den heftigen Reaktionen auf ihre Neujahrspredigt, bekräftigte jedoch ihre Aussagen und betonte, sie sehe sich als Bischöfin verpflichtet, Stellung zu beziehen. Sie habe keineswegs einen sofortigen Truppenabzug verlangt, sondern eine deutliche Abzugsperspektive. Die Entsendung militärischer Truppen sei als ultima ratio notwendig gewesen, jedoch sei der Vorrang der zivilen Hilfe derzeit nicht mehr erkennbar. Dieser würde endgültig zerstört, wenn Deutschland nun zusätzliche Truppen nach Afghanistan schickte.
anf

Foto: Kalip78



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