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Kommentar: Ostseeflotte gegen Patriots

Veröffentlicht von RIA Novosti on Jan 25th, 2010 und gespeichert unter Featured, Kommentare. Sie können Kommentare über die Artikel hier mitverfolgen: RSS 2.0. Beides, Kommentare und Pings sind derzeit nicht möglich.

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Russlands Ostseeflotte | Foto: Archiv

Russlands Ostseeflotte | Foto: Archiv

Russland und die USA tauschen erneut bedrohliche Rüstungsinitiativen aus.

Am 20. Januar 2010 erschienen Meldungen, dass die amerikanischen Patriot-Abwehrraketen nicht in den Vororten Warschaus, sondern in der Woiwodschaft Ermland-Masuren nahe Stadt Morag, 60 bis 100 Kilometer von der russischen Grenze entfernt, stationiert werden sollen.

Am Morgen des 21. Januar folgte die Erklärung eines hochrangigen Vertreters der russischen Marine, dass die Ostseeflotte wegen der geplanten Stationierung der Patriot-Raketen nahe der russischen Grenze aufgerüstet werden soll.

Einige Stunden später wurde diese Erklärung dementiert. Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums sagte, dass alle Maßnahmen zur Umrüstung und Modernisierung der russischen Flotten einschließlich der Ostseeflotte nach einem bereits existierenden Plan durchgeführt werden. Das geschehe im Zuge der Modernisierung der Streitkräfte und im Einklang mit dem staatlichen Rüstungsprogramm.

Doch gleichzeitig ließ dieser Meinungswechsel Gedanken über Russlands Möglichkeiten zur Verstärkung der gesamten Streitkräfte, darunter auch der Ostseeflotte, aufkommen. Schauen wir mal an, ob diese Möglichkeiten groß sind.

Das Aufrüstungstempo der gesamten Marine, nicht nur der Ostseeflotte, entspricht leider nicht den zuvor angekündigten Plänen und erst recht den Bedürfnissen. Der Bau des zweiten Schiffes des Projekts 1154, der erst 2009 in Dienst gestellten Fregatte „Jaroslaw Mudryj” zog sich in die Länge und dauerte 20 Jahre.

Was die neuesten Schiffe betrifft, so steht gegenwärtig eine Korvette des neuen Projekts 20380 im Dienst der Flotte. Nach diesem Projekt werden weitere vier Schiffe gebaut. Sie sollen im Laufe der nächsten Jahre in Dienst gestellt werden.

Die Fregatte „Admiral Gorschkow“

Die Fregatte „Admiral Gorschkow“ | Foto: rian

Die Fregatten des Projekts 22350 sind größer und stärker. Das Flagschiff der Serie, die „Admiral Gorschkow”, wurde 2006 auf Kiel gelegt und soll 2011 in Dienst genommen werden. 2009 wurde ein zweites Schiff, die „Admiral Kassatonow”, auf Kiel gelegt.

Auch der Nachschub an neuen Diesel-U-Booten lässt zu wünschen übrig. Nach wie vor wartet die russische Marine auf das Nullschiff des Projekts 677, das seit 2006 getestet wird. Das bremst die Arbeiten an der kompletten Serie. Gegenwärtig werden zwei dieser U-Boote gebaut.

Russland verfügt über vier Flotten auf offenen Meeren, dazu kommt noch die Kaspische Flottille, die in einem geschlossenen Meer aktiv ist. Jede von diesen Flotten braucht Nachschub an neuen Schiffen. Das lässt die sowieso geringe Zahl der Schiffe, an denen gegenwärtig gebaut wird, noch niedriger erscheinen. Zwei Flotten von vier, die Nord- und die Pazifikflotte, sind auf den Ozeanen aktiv, zu ihren Aufgaben gehören Einsätze der strategischen Unterwasser-Raketenkreuzer. Deswegen ist der Nachschub für diese Flotten eine primäre und lebensnotwendige Aufgabe.

Es ist also offensichtlich, dass die Ankäufe die Ausmusterung der veralteten Schiffe auf keinen Fall ausgleichen können. Folglich ist die Modernisierung der existierenden Systeme, darunter der Schiffe und U-Boote, ein Muss. Ihr Dienstalter muss verlängert werden. Gleichzeitig müssen sie mit modernen Waffen ausgerüstet werden.

Dasselbe gilt auch für andere Teilstreitkräfte. Leider dienen in den letzten Jahren die Berichte über die Indienstnahme von neuen Kampfeinheiten verschiedener Klassen häufig dazu, den kritischen Zustand bei der Ausrüstung der Streitkräfte zu verdecken. Diese Krise kann nur durch eine einheitliche, zielstrebige und entsprechend fundierte Politik überwunden werden.

In erster Linie muss eine neue militärische Doktrin angenommen werden.

Auf deren Grundlage muss eine klare Antwort auf die Frage gegeben werden, welche und wie viele Waffensysteme die Armee braucht. Dabei dürfen diese Angaben nicht Gegenstand von inoffiziellen Diskussionen bleiben. Sie müssen allgemein bekannt gegeben werden. In den NATO-Ländern werden beispielsweise regelmäßig so genannte „Verteidigungsprognosen” veröffentlicht, in denen die möglichen Bedrohungen analysiert und die zukünftige Struktur der Streitkräfte bestimmt wird.

Mit Blick auf diese Begründung muss ein neues Rüstungsprogramm verabschiedet werden. Es soll die Lieferungen von neuer Technik und die Reparatur der alten in einer Menge, die dem festgelegten Bedarf der Streitkräfte entspricht, enthalten.

Diese Prognosen und die entsprechenden Ankaufsprogramme müssen regelmäßig revidiert werden. Die Entwicklung der Streitkräfte muss den wechselnden Umständen gerecht werden.

Die Dokumente müssen eine materielle Grundlage haben. Es muss eine moderne intakte Industrie geben, und die Entwicklungsprogramme müssen ausreichend Gelder erhalten. Diese Forderung ist gegenwärtig am schwersten zu erfüllen. Doch ohne sie sind die russischen Streitkräfte einem weiteren Verfall ausgesetzt.

Schließlich ist der klar und unzweideutig ausgedrückte politische Willen der Regierung die wichtigste Bedingung für die Modernisierung der Streitkräfte. Solche Dinge haben gewöhnlich einen viel stärkeren Effekt als die Geschichte um die Ostseeflotte gegen die Patriot-Raketen in Polen.

von Ilja Kramnik (RIA Novosti)

Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von Ria Novosti und BR übereinstimmen.

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