„Briefe aus einer schweren Zeit. 1939-1949 – Gesammelt und übertragen von Hans Weiss im Jahre 1970.” Das ist der Titel des gesammelten Briefwechsels von Hans Weiss (1904-1987), geboren in Reval/Tallinn. Diese Briefe sind dabei fernab von wissenschaftlicher Note, sondern in höchstem Maße persönlich – sie stellen sich als Mittel der Kommunikation dar, welches einer ganzen Familie das Überleben in „den schweren Jahren” gesichert hat.
So sagt auch die Herausgeberin Rosmarie Grabnitz, drittes Kind von Hans Weiss und seiner Frau Erika (geb. Hahn), dass die Briefe einen ungeheuren familiären Zusammenhalt bezeugen, der uns heute Lebenden unglaublich erscheine.
Die Familienverbundenheit ist entsprechend das Hauptthema, die politische Lage, der Krieg, Umsiedlung und Elend bilden den Rahmen. So werden die nächtlichen Bombardements beispielsweise in einem Brief erwähnt, treten aber neben dem eigentlichem Thema, in diesem Fall schmerzenden Backenzähnen, in den Hintergrund.
Die Zuhörer der Lesung am 15.01.2010 in der Buchhandlung Mare Balticum (Berlin) erwartete also keine leichte Kost. Aufgrund der Intensität der Briefe herrschte eine konzentrierte Atmosphäre unter den 17 lauschenden Gästen, während Rosmarie Grabnitz Auszüge aus dem Buch vortrug. Ebenfalls anwesend: Elisabeth Simon vom Simon Verlag für Bibliothekswissen, bei welchem „Briefe aus einer schweren Zeit” erschienen ist.
Und darum geht es: Die Umsiedlung der Deutschbalten aus Estland verschlug Hans Weiss und seine Familie zu Kriegsbeginn über Berlin nach Leslau/Wloclawec. 1945 jedoch musste er von dort noch Schöneiche bei Berlin flüchten. Hans Weiss wurde im gleichen Jahr eingezogen und befand sich bis 1948 in russischer Kriegsgefangenschaft. 1949 flüchtete die Familie erneut und kam 1950 über Hochneukirch im Rheinland schließlich nach Hamburg.
Vor allem die Darstellung und Aufarbeitung der Familiengeschichte in den zehn Jahren nach Kriegsbeginn stehen dabei im Vordergrund. So steht etwa in einem Postskriptum eines Briefes von Weiss’ Frau Erika aus dem Jahr 1939: „Man merkt in diesen Zeiten doch stark, wie sehr man zusammenhängt.“
Der Briefverkehr umfasst diverse Famileinangehörige unterschiedlichen Verwandtschaftsgrades, sowie Freunde und Nachbarn. Letztlich sind die gesammelten Briefe private Zeugnisse, die in einen nur schwer zugänglichen historischen Kontext gesetzt wurden. Deshalb wurde dieses Stück Familiengeschichte um Berichte und Zitate aus verschiedenen Publikationen der Zeit ergänzt.
Das Buch können Sie hier beim Simon Verlag für Bibliothekswissen bestellen.
Fotos: Simon Verlag für Bibliothekswesen, Karl-Heinz Kühn
Besuchen Sie auch die kleine Fotogalerie zum Artikel.
tis







