Dachau – Anlässlich des 90. Geburtstages von Max Mannheimer widmet die KZ-Gedenkstätte Dachau ihm die Ausstellung „ ‚Ich male nur für mich.‘ Max Mannheimer – ben jakov“.
Im Mittelpunkt stehen Biografie und Wirken des Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer, der als ben jakov künstlerisch tätig ist. Die Eröffnung findet am 11. Februar um 18.30 Uhr im Kinosaal der KZ-Gedenkstätte Dachau statt. Nach Grußworten von Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der Gedenkstätte, und Nicolaus Gradl, Stadtrat der Landeshauptstadt München, sprechen die Ausstellungskuratorin Dr. Michaela Haibl und die frühere Leiterin der Gedenkstätte Dr. h.c. Barbara Distel.
Die Ausstellung ist bis 14. April in der Gedenkstätte zu sehen, am 13. April wird im Besucherzentrum der Ausstellungskatalog präsentiert.
Max Mannheimer wurde in Neutitschein (Nový Jičín) in der Tschechoslowakei geboren und lebt heute in der Nähe von München. Fast seine gesamte Familie wurde in Auschwitz ermordet, er selbst überlebte mehrere Konzentrationslager, darunter Auschwitz und Dachau. Als Zeitzeuge und Vermittler engagiert sich Max Mannheimer seit vielen Jahren für die Erinnerung an die Verbrechen in der NS-Zeit. Seine Vermittlungsarbeit und seine Kunst sind Teil der persönlichen Auseinandersetzung mit der eigenen schmerzhaften Vergangenheit.
Dr. Gabriele Hammermann über das künstlerische Schaffen Max Mannheimers: „Die abstrakten Bilder vermitteln Heiterkeit und Schmerz zugleich sowie seine Freude am Schöpferischen. Max Mannheimer bezeichnet sie aufgrund der angewendeten Technik als ‚Zufallsbilder‘, doch tragen sie alle eine einheitliche Handschrift. Kunst ist für ihn auch eine Form der Bearbeitung seiner traumatischen Erfahrungen während der nationalsozialistischen Verfolgung.“
von Nina Theofel
Kontakt
| Adresse: | KZ-Gedenkstätte Dachau Alte Römerstraße 75 D – 85221 Dachau |
|
| Telefon: | +49(0)8131 – 66997 – 0 | |
| Telefax: | +49(0)8131 – 2235 | |
| Internet: | www.kz-gedenkstaette-dachau.de | |
| E-Mail: | Allgemeine Anfragen | info@kz-gedenkstaette-dachau.de |
INFOBOX
Max Mannheimer
Max Mannheimer wurde 1920 in Neutitschein (tschechisch Nový Jičín) als ältester Sohn der Eheleute Margarethe und Jakob Mannheimer geboren. Ihm folgten weitere vier Geschwister.
Nach Beendigung der Handelsschule arbeitete Max Mannheimer in einem kleinen Kaufhaus.
Nachdem deutsche Truppen das Sudetenland besetzt hatten, wurde die Familie gezwungen, die Waren ihres Geschäftes zu Schleuderpreisen herzugeben. 1938 erlebte Familie Mannheimer das Novemberpogrom, woraufhin sie in das noch unbesetzte Ungarisch Brod (tschechisch Uherský Brod) floh, das jedoch kurze Zeit darauf auch von deutschen Truppen besetzt wurde.
Da es Juden nur erlaubt war, manuelle Arbeiten zu verrichten, musste Max Mannheimer, der zunächst in einer Gewürz- und Samenhandlung tätig war, in den Straßenbau wechseln.
Ende 1940 lernt er Eva Bock kennen. Beide verliebten sich ineinander, und Max Mannheimer heiratete im September 1942 die ein Jahr jüngere Frau.
Anfang 1943 wurden beide, sowie Max Mannheimers Eltern, zwei Brüder und eine Schwester über Theresienstadt nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Auf der Rampe von Auschwitz-Birkenau sah Max Mannheimer seine Frau, seine Eltern und seine Schwester zum letzten Mal. In einem Interview, das vom AJZ Dessau im Oktober 2005 im Offenen Kanal Dessau geführt wurde, sagte er:
“Und wir haben geträumt, dass wir eben nach dem Krieg eine Hochzeitsreise machen… Also dieser Traum endete an der Rampe von Auschwitz bereits in der Nacht vom 1./2. Februar, denn sie kam überhaupt nicht ins Lager. Sie wurde direkt, eben ohne dass sie registriert wurde, vergast.”
Auch zwei seiner Brüder überlebten die Hölle von Auschwitz nicht. Im Oktober 1943 nach Warschau überstellt, musste Max Mannheimer unter anderem die Trümmer des Warschauer Ghettos wegräumen. Im August 1944 in das Konzentrationslager Dachau verschleppt, durchlief er mehrere Dachauer Außenlager. Noch am 28. April 1945 trieb die SS Häftlinge, darunter den an Typhus erkrankten Max Mannheimer, in Waggons. In Tutzing bei München befreiten ihn die Amerikaner. Er wog noch 37 Kilogramm. Lediglich ein Bruder hatte außer ihm überlebt.
Nach seiner Befreiung und Genesung verließ er Deutschland und schwor sich, nie wieder deutschen Boden zu betreten. Doch er verliebte sich in eine Deutsche und kehrte 1946 nach Deutschland zurück.
Seit 1988 ist Max Mannheimer Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau und unermüdlich als Zeitzeuge unterwegs. Viele Jahre hat es gebraucht, bis er in der Lage war, über die Vergangenheit zu sprechen. Einen wichtigen Platz in seinem Leben nimmt die Malerei ein. Seit 1954 malt er unter dem Pseudonym “Ben Jakov” (im Gedenken an seinen Vater Jakob) abstrakte Bilder, die er seit 1975 auch ausstellt.
1964, nach dem Tod seiner zweiten Frau, verfasste er sein “Spätes Tagebuch”, mit dem Gedanken, dass seine Kinder die Geschichte der Familie erfahren sollten. Zwanzig Jahre später im ersten Band der “Dachauer Hefte” veröffentlicht, erschien es später auch als Taschenbuch.
Für seine Verdienste erhielt Max Mannheimer zahlreiche Auszeichnungen und Anerkennungen, u.a. 2000 die Ehrendoktorwürde der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Vertreter des AJZ Dessau lernten Max Mannheimer während der Gedenkveranstaltungen aus Anlass des 60.Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald kennen. Noch im gleichen Jahr war er in Dessau zu Gast und führte Zeitzeugengespräche. Als ein Jahr später die Dokumentation “Theresienstadt – Wartesaal des Todes”, in der neben, Max Mannheimer, Doris Grozdanovičová, Trude Simonsohn, Coco Schumann und Maria König Zeugnis ablegen, veröffentlicht wurde, weilte er nochmals in Sachsen-Anhalt.
Quelle: DIE KUNST DER ERINNERUNG
Populäre Nachrichten:
- Das Ende der Souveränität – Vor 70 Jahren verloren Estland, Lettland und Litauen ihre Unabhängigkeit
- Litauen – Europäische Zukunft nach wechselvoller Vergangenheit
- Estnische Fettnäpfchen
- Kalamaja – Neues Trendviertel von Tallinn
- Litauen kann nicht alle Mitgliedsbeiträge bezahlen










