Nach dem Bruch der Regierungskoalition in den Niederlanden werden die rund 1.500 niederländischen Soldaten Afghanistan wahrscheinlich ab August verlassen.
Dies ist ein herber Rückschlag für die Afghanistan-Strategie der Nato, meinen Kommentatoren, die ohnehin zum Scheitern verurteilt sei.
De Volkskrant – Niederlande
Der wahrscheinliche Abzug der niederländischen Truppen aus Afghanistan ist ein herber Schlag für die neue Afghanistan-Strategie der Nato, meint die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant:
“Es kostet die Nato schon jetzt große Mühe, eine größere Zahl von Soldaten zusammenzubekommen. Mit der faktischen Ablehnung des Gesuchs aus Brüssel … bewegen die Niederlande sich in die entgegengesetzte Richtung. Das ist sicherlich kein Ansporn für andere Mitgliedsstaaten, um weiter vorzurücken.
… Der tragische Vorfall im Grenzgebiet von Uruzgan, wo Nato-Flugzeuge Zivilisten, die sie für Talibankämpfer hielten, bombardierten, unterstreicht einmal mehr den prekären Charakter des militärischen Einsatzes in Afghanistan. Solche Fehler kann das Bündnis, nach einem ähnlichen Zwischenfall in Kunduz vor fünf Monaten, nun gar nicht gebrauchen. In der Kombination mit dem Ausstieg der Niederlande verstärkt dies in den Vereinigten Staaten das Gefühl, dass die Regierung von Obama das Dossier Afghanistan nicht ausreichend im Griff hat.” (23.02.2010)
The Guardian – Großbritannien
Die Niederlande könnten das erste Natoland sein, dass sich aus Afghanistan zurückzieht. Dies ist ein schlechtes Timing, das den Taliban hilft und die gute Arbeit der Holländer unterbricht, meint die Tageszeitung The Guardian: “Der holländische Abzug kommt zu einem Zeitpunkt, in dem gerade die Strategie des Kommandeurs General Stanley McChrystal implementiert wird. In Uruzgan haben die Holländer einen guten Ruf, vielleicht den besten aller Alliierten.
… In Tirin Kot, der Hauptstadt von Uruzgan, leiten sie das städtische Team für Unterstützung und Wiederaufbau (PRT), das wie kein anderes Erfolge verzeichnet bei Bildung, Erziehung, dem Aufbau sanitärer Einrichtungen und der Gesundheitspflege. … Sich jetzt zurückzuziehen, bringt für viele Holländer den dunklen Schatten eines anderen Rückzug und eines anderen Versagens zurück – jenes im bosnischen Srebrenica im Juli 1995.” (23.02.2010)
Delo – Slowenien
Es ist Zeit für grundlegende Überlegungen, wie es in Afghanistan weitergehen soll, meint die Tageszeitung Delo mit Blick auf den möglichen Abzug der niederländischen Truppen vom Hindukusch:
“Die Niederlande haben Europa mit ihrem Koalitionsbruch einen großen Gefallen getan. Man wird das Gefühl nämlich nicht los, dass den europäischen Politikern einfach nicht bewusst ist, in was für einen Schlamassel sie gemeinsam mit den USA geraten sind. Sie sind in einen blutigen Krieg gezogen und in der Öffentlichkeit reden sie ausschließlich über den Frieden.
… Es liegt auf der Hand, dass die Politik der USA in Afghanistan völlig versagt hat. Darauf hat in der letzten Zeit auch Michael Gorbatschow hingewiesen, der im Jahr 1989 die gebrochene und erniedrigte Rote Armee aus der afghanischen Hölle geholt hat.
… Der Westen sollte keinesfalls weiter Soldaten in den Hindukusch schicken. Mit einer derart falschen Politik ist eine Niederlage einfach nicht zu verhindern.” (23.02.2010) | eurotopics
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