Wenn es um Alkoholkonsum geht, zeigen Esten gerne mit Zeigefinger in Richtung Finnland und Russland. Nur sieh da – laut aktuellen Statistik der Weltgesundheitsorganisation WHO, sind die Esten selbst am trink freudigsten, sie führen die Statistik an. In der Negativstatistik kommt nach Estland Tschechien, dann Irland, Frankreich, Andorra, Österreich und Ungarn. Am wenigsten trinken die Tadschiken, Türken, Usbeken, Turkmenen und Kirgisen. Überhaupt wird in Europa mehr getrunken als in der anderen Länder der Welt. Bier, Wein, Hochprozentiges: Europäer sind nicht wählerisch, wenn es um Alkohol geht – und sie greifen gerne zum Glas. 9,24 Liter reinen Alkohol konsumieren sie pro Nase im Jahr.
Das entspricht etwa 370 Halbe Bier, die auf die Gesamtbevölkerung umgelegt jeder Europäer ab 15 zu sich nimmt. Osteuropäer führen das Ranking klar an, doch ein Blick in die Statistik zeigt Überraschendes: Die Deutschen erweisen sich verglichen mit den Russen als trinkwütiger. Während die Deutschen 470-mal pro Jahr und Person zur Halbliterflasche Bier greifen (etwas weniger als zwölf Liter reiner Alkohol), sind es in Russland dagegen etwa elf Liter reiner Alkohol – oder, um in der Biergleichung zu bleiben, 440 Halbe.
Klarer Spitzenreiter der WHO-Statistik ist Estland. Die Esten führen mit über 16 Liter reinen Alkohols pro Jahr, das entspricht 640 Halben Bier. Deutschland landete an zwölfter Stelle, hinter Luxemburg, aber vor England.
„Über 20 Prozent der Erwachsenen betrinken sich mehr oder wenig regelmäßig“, hieß es in einer Erklärung im Rahmen der europäischen WHO-Regionalkonferenz in Aserbaidschans Hauptstadt Baku. Besonders beliebt scheinen dabei Saufgelage zu sein – ab fünf Drinks zu einer Gelegenheit. Selbst wenn Deutschland einige osteuropäische Länder im Sauf-Ranking schlägt: Der generelle Trend im Alkoholkonsum der letzten 15 Jahre sei durch einen Rückgang im Westen und einen Anstieg im Osten Europas gekennzeichnet gewesen.
Die Daten stammen aus dem „European status report on alcohol an health 2010“, für den die WHO 2008 Fragebögen mit 69 Punkten an alle Mitgliedstaaten verschickte. Mithilfe der so gewonnenen Angaben, aber auch durch weitere Studien ermittelte die WHO die Ergebnisse. Berücksichtigt wurden alle Europäer ab 15 Jahren. Dabei zeigte sich auch: In den 1990er-Jahren nahm der Alkoholkonsum ab, stieg dann jedoch wieder an und liegt jetzt auf gleichbleibend hohem Niveau.
Damit bleibt Alkohol der zweitgrößte Risikofaktor für einen frühzeitigen Tod und eine der führenden Ursachen für Krankheiten, direkt nach Zigaretten. Er ist mitverantwortlich dafür, dass Osteuropäer im Schnitt sechs Jahre kürzer leben als Westeuropäer. Frauen halten sich beim Alkohol nach wie vor mehr zurück als Männer.
Um die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen des Trinkens zu verringern, stellt die WHO den 53 europäischen Ländern mit dem „Aktionsplan zur Verringerung des schädlichen Alkoholkonsums (2012-2020)“ einen umfassenden Überblick zur Problematik sowie erprobte Konzepte zum Abbau alkoholbedingter Schäden zur Verfügung. Als Gegenmittel empfiehlt die Gesundheitsbehörde unter anderem Alkoholsteuern, Einschränkungen der Verkaufsstellendichte und der Öffnungszeiten, Altersbegrenzungen, und eine Senkung der Promillegrenzen im Straßenverkehr. (ast)
Symbolbild: Aino Siebert
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Klasu
18. September 2011 at 20:48
Das ist schwer zu glauben, dass die Esten mehr Alkohol trinken als die Finnen.Ich bin letztes Wochenende wieder mal in Tallinn gewesen und habe nur betrunkene, sogenannte Wodka-Touristen gesehen und keine Einheimischen. Die WHO sollte sich einmal ein Bild vor Ort machen dann sieht die Statistik ganz sicher anderst aus.
mit freundlichen Grüssen
Klasu