Auf seinem Staatsbesuch in der Schweiz gab der Präsident Estlands ein Interview der Zeitung „Der Bund“.
Bei Fragen über Estlands Beziehungen zu Russland, sagte der Staatsoberhaupt:
Wir haben keine Probleme (mit Russland). Die haben viele Probleme. Aber lesen Sie einmal in den Zeitungen, welche Drohungen ausgesprochen werden. /…/ Letzten Monat hat der russische Präsident am gleichen Tag gleich zweimal gesagt: Wir haben in Georgien interveniert, um die Vergrößerung der Nato zu verhindern. Am Mittwoch hat Sergei Lawrow, der russische Außenminister, erklärt, wenn Georgien darauf bestehe, Nato-Mitglied zu werden, könne das einen neuen Krieg zur Folge haben. Zivilisierte Länder drohen andern nicht mit Krieg. Ich bin nicht paranoid, aber Sie würden auch nervös, wenn das jemand zu Ihnen sagen würde.
Bei der traditionelle Frage der Journalisten über die russischsprachige Bürger in Estland, sagte Toomas Hendrik Ilves: Sie waren das Herrenvolk (spricht dieses Wort im englisch geführten Interview auf Deutsch aus) während 50 Jahren und in der ganzen geschichtlichen Bedeutung des Wortes privilegiert. Jetzt, da sie keine Privilegien mehr haben, betrachten das manche Leute als Verlust.
Wieso sollten wir (Russisch als Amtssprache einführen)? Nehmen wir an: Wir besetzen Ihr Land, und nach 50 Jahren sagen wir, sie müssen Estnisch zu einer offiziellen Sprache machen. Eine Okkupationsmacht besetzt ein Land, deportiert Hunderttausende Menschen nach Sibirien und schickt eigene Leute in dieses Land. Und jetzt, da wir endlich unabhängig sind, soll die Sprache der Okkupationsmacht zur zweiten Landessprache werden? Stellen Sie mir keine lächerlichen Fragen! /…/ Ich könnte ein ganzes Interview führen, ohne das R-Wort zu gebrauchen. Ich bin ein Anhänger des amerikanischen Soziologen Daniel Patrick Moynihan, der von der gütigen Nichtbeachtung (benign neglect) sprach. Lassen wir die Russen, wenn sie Probleme mit der Demokratie haben sollen sie sie lösen. Estland muss sich nicht in ihre inneren Angelegenheiten einmischen. Die sollen tun und lassen, was ihnen gefällt. (ast)
Das ganze Interview können Sie hier lesen
Foto: Werner Siebert
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B.Giertz
26. Dezember 2011 at 21:04
Ja, Präsident Ilves hat Recht.
Zivilisierte sollten nicht solche Drohungen aussprechen.
ABER ZIVILISIERTE STAATEN SOLLTEN AUCH NICHT
EIN ANDERES LAND MIT EINEM MILITÄRBÜNDNIS EINKREISEN
UND DANN BEHAUPTEN DASS DIES KEINE AGRESSION SEI !!!
Und was die russischen Immigranten betrifft:
Hätte Herr Ilves damals in der UdSSR gelebt
und man hätte ihm abgeboten bei besserem Lohn in eine der
Baltischen-Republiken zu ziehen,
dann hätte er vielleicht auch “Ja” gesagt.
Einmal davon abgesehen, dass auch Russen dorthin geschickt wurden.
Und was ist mit der Generation, die in Estland geboren wurde ?
Ich will niemandem zu nahe treten,
aber Estisch ist nun einmal keine Weltsprache.
Für die meisten Menschen ist es sehr schwer eine dritte Sprache
zu lernen.
Ich habe dies selbst bei meinen türkischen Mitschülern erlebt.
Die meisten hatten Probleme mit Englisch noch eine weitere
Sprache zu lernen!
Also wird den meisten jüngeren Russen,
die estisch gelernt haben, Europa verschlossen bleiben.