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von | 01.02.2012 | 0:07 ET in Europe

 

Sibirische Temperaturen im Baltikum und in Osteuropa

Winter 2012 mit Tiefsttemperaturen - Symbolbild

Tallinn/Riga/Vilnius/BR. In Osteuropa sind durch die sibirische Temperaturen fast 40 Menschen gestorben. Die meisten waren obdachlos. In den baltischen Staaten hat die klirrende Kälte mindestens vier Menschen das Leben gekostet. In Lettland sind drei Menschen an Erfrierungen gestorben. Auch in Litauen ist ein Mensch an den Folgen der Kälte gestorben. Einem Obdachlosen mussten wegen Erfrierungen die Beine amputiert werden.

In den kommenden Tagen wird sich der strenge Frost weiter verschärfen. Nach Angaben der meteorologischen Institute sind in Estland, Lettland und Litauen Anfang Februar nachts stellenweise Tiefstwerte unter minus 30 Grad möglich. Am kältesten soll es im Nordosten Estlands an der Grenze zu Russland werden. Die Behörden haben bereits erste Warnungen herausgegeben und der Bevölkerung empfohlen, ihre Häuser möglichst nicht zu verlassen.

In Polen sind seit dem Wochenende mindestens zehn Menschen erfroren. Die Polizei sucht in leerstehenden Häusern nach Obdachlosen, um sie in Notunterkünfte zu bringen, in Warschau werden Heizpilze an Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs aufgestellt. In Stuposiany im Bieszczady-Gebirge im Südosten des Landes betrug die Temperatur in der Frühe minus 27 Grad. Besonders frostig war es auch an der Küste, wo starke Windböen das Kältegefühl noch verstärkten.

In der Ukraine haben 18 Menschen das Leben verloren, es herrscht Ausnahmezustand: Fast 500 Menschen mussten wegen Unterkühlung und Erfrierungen behandelt werden, wie das Katastrophenschutzministerium mitteilte. 17.000 Menschen suchten in Notunterkünften Schutz, Schulen und Kindergärten wurden geschlossen.

In Tschechien sind aufgrund des starken Frostes auf zwei Eisenbahnstrecken im Osten des Landes die Schienen gebrochen. In Prag sind seit Winterbeginn neun Obdachlose gestorben.

In Bulgarien haben heftige Schneefälle das öffentliche Leben lahmgelegt. Im Stadt Ruše zeigte Thermometer knapp unter minus 20 Grad. Für die Donaustadt sei dies ein Rekord in den vergangenen 50Jahren. Ähnliche Minusgrade gab es in insgesamt 15 anderen Städten.  Die Kälte ließ Straßen zu Rutschbahnen werden. Dutzende Menschen mussten aufgrund von Bein- oder Armfrakturen behandelt werden.

Auch in Rumänien sind bei Temperaturen von minus 25 Grad vier Menschen erfroren. Vereinzelt blieben am Montag Schulen auf dem Land geschlossen – die Heizungen kamen nicht gegen den Frost an.

Sogar in der Türkei herrscht sibirische Kälte. Eine Sporthalle in Istanbul wurde etwa 350 Obdachlosen als Notunterkunft zur Verfügung gestellt. Die Temperatur in der türkischen Provinz Kars an der Grenze zu Armenien sank in der Nacht zum Montag auf minus 25 Grad. Fast 200 Flüge der Turkish Airlines von und nach Istanbul wurden gestrichen.

In Sibirien haben die Schüler Kälteferien bekommen – bei Temperaturen um die minus 45 Grad. In Moskau wurden für Wochenende minus 20 Grad vorhergesagt.

In Jakutien sind minus 54 normal
Am kältesten bewohnten Punkt der Erde im russischen Ort Oimyakon (Jakutien) wurde minus 54 Grad gemessen. Die Bewohner dort haben aber ein anderes Verhältnis zur Kälte, sie sind an hohe Minusgrade gewöhnt. Jakutien ist Russlands Provinz der Superlative: die größte, die am dünnsten besiedelte, die kälteste, die reichste. Gold, Diamanten, Kohle lagern hier im permanent gefrorenen Boden, Öl und Gas in noch unerforschten Mengen. Aber die Schätze sind schwer zugänglich. Die meisten Straßen zwischen den wenigen Siedlungen sind nur bei Frost befahrbar.

Eine erste Tote wurde auch in Deutschland gefunden – die eisige Kälte hat in Brandenburg eine 55-Jährige das Leben gekostet. Sie fiel durch Unfall ins Wasser und erfror dort. Für Bundesrepublik  erwarten die Meteorologen bis zum Wochenende auch Kälte und Schnee, es soll aber keine Minusrekorde geben. (ast)

Symbolfoto: Aino Siebert

BALTISCHE RUNDSCHAU | Redaktion Deutschland

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